FrauenGeschichtsWerkstatt Odenwald: ... Frauen brauchen ihre Geschichte für ihren Mut, ihre Phantasie und ihren Alltag.

Man darf ja trotz allem die Hoffnung nicht verlieren ...“Anm 1

Unterwegs auf den Spuren von Margarete Oppenheimer-Krämer und ihrer Familie in den Konzentrationslagern in Südfrankreich (1940 bis 1942)

Szenische Einführung

 

Wir schreiben den 22. Oktober 1940. Unter den Juden wurde das LaubhüttenfestAnm 2 gefeiert, weshalb die Kinder zu Hause waren. Zu Hause, das war das letzte jüdische Kinderheim in Baden. Margarete und Moritz Oppenheimer leiteten es nach ihrer Flucht aus Fränkisch-Crumbach in Mannheim. Früh morgens:

 

eindringliches, lautes Klopfen an der Tür, mit lauter Stimme

Gestapo, sofort aufmachen!“

 

Männer in Zivil, die sich als Gestapo-Beamte auswiesen, stehen vor der Tür des Kinderheims in R7.24 in der Mannheimer Innenstadt.

 

Ist die ganze Familie, sind alle Kinder zu Hause? Von jetzt an darf niemand das Haus verlassen. Machen sie sich reisefertig. In einer Stunde kommen wir wieder, um sie abzuholen. Sie werden umgesiedelt. Mitnehmen können sie, was sie tragen können und 100,- Reichsmark pro Person. Verlassen sie das Haus aufgeräumt und lassen den Schlüssel auf dem Küchentisch liegen!“

 

An diesem Tag wurde Margarete Oppenheimer-Krämer mit ihrer Familie und acht Heimkindern von Mannheim aus in den von Nazideutschland unbesetzten Teil Frankreichs deportiert. Eine Reise, die zwei Jahre später für Margarete und ihren Mann mit ihrer Ermordung in den Gaskammern von Auschwitz endete.

Am 30. Oktober 1940 meldet Reinhard Heydrich als Chef der Sicherheitspolizei und des SD dem Auswärtigen Amt, SA-Standartenführer Gesandter Luther nach Berlin:

 

Nach Durchführung der Aktion kann ich Ihnen mitteilen, daß aus Baden und der Pfalz mit neun Transportzügen 6.504 Juden im Einvernehmen mit den örtlichen Dienststellen der Wehrmacht, ohne vorherige Kenntnisgabe an die französischen Behörden, in den unbesetzten Teil Frankreichs gefahren wurden.

Die Abschiebung der Juden ist in allen Orten Badens und der Pfalz reibungslos und ohne Zwischenfälle abgewickelt worden. Der Vorgang der Aktion selbst wurde von der Bevölkerung kaum wahrgenommen.

Die Erfassung der jüdischen Vermögenswerte und Verwertung erfolgt durch die zuständigen Regierungspräsidenten. gezeichnet: Heydrich“

 

Anm 3

1 Ruth L. David, „Im Dunkel so wenig Licht...“ Briefe meiner Eltern vor Ihrer Deportation nach Auschwitz, Wiesbaden 2008, S. 203.

Am 8.Sept.1941 schrieb Margarete dies aus dem Internierungslager Rivesaltes an ihre Kinder, ihre Schwester und deren Freundin.

2 Sukkot - feiert siebentägig die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten und ist gleichzeitig Erntedankfest.

3 www.campgurs.com



Reisebericht Frankreich - Lager in Gurs, Rivsalts, Les Milles-Marseilles, Drancy-Paris
 
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