FrauenGeschichtsWerkstatt Odenwald: ... Frauen brauchen ihre Geschichte für ihren Mut, ihre Phantasie und ihren Alltag.


Margarete Oppenheimer-Krämer mit Mutter Feodora Krämer
und Tochter Hannah im Sommer 1926 im Garten in Fr.-Crumbach



Eine deutsche Familienchronik
zwischen Kaiserreich und Nazifaschismus

Aus dem Leben von
Margarete Oppenheimer-Krämer
und ihrer Familie

 


Im Rahmen der Odenwälder FrauenGeschichtsWerkstatt zum Thema „Zugezogene Odenwälderinnen - Vertreibung, Flucht und freiwillige Einwanderung in den Odenwald“ habe ich mit Martina Schmitt, einer Teilnehmerin der Werkstatt über Margarete Krämer geforscht. Sie wanderte „der Liebe wegen“, 32 jährig, 1924 in den Odenwald nach Fränkisch-Crumbach ein und heiratete den jüdischen Zigarrenfabrikbesitzer Moritz Oppenheimer. Nach Verfolgung, Vertreibung und Deportation 1940 nach Südfrankreich, wurde sie am 19. August 1942 in Auschwitz ermordet. Ihre sechs Kinder konnte sie auf wundersame Weise vor dem Naziterror retten, sie haben alle überlebt.

Vor einigen Jahren lernte ich eine ihrer Töchter, Ruth L. David kennen, sie lebt in England. Durch ihre Bücher (siehe unten) und in persönlichen Begegnungen erfuhr ich viel über die Zeit der Verfolgung während des Faschismus und über das Leben der Familie im Odenwald. Seither begleite ich Ruth David auf ihren alljährlichen Lesereisen durch hessische Schulen und organisiere Abendveranstaltungen für sie. Ich bin also im sehr persönlich, freundschaftlichen Kontakt mit ihr. Ruth David schreibt sehr treffend über ihre Mutter: „Sie war eine intelligente, kultivierte und weltoffene Frau.“ Aber es wurde auch deutlich, wie wenig die Familie eigentlich über die Mutter, vor allem vor deren Leben vor dem Faschismus weiß und wie sehr sie sich danach sehnen mehr zu erfahren. Es gibt ihnen ein wichtiges Stück eigener Geschichte wieder.

Da Ruth David im vorletzten Jahr 80 Jahre wurde und ihr die Lesereisen doch zunehmend beschwerlich sind, sprachen wir darüber, wie es eigentlich weitergeht, wenn sie eines Tages nicht mehr kommt und liest. Ich bekundete mein großes Interesse das Thema des Holocaust/Shoa insgesamt und hier besonders die Erlebnisse und Erfahrungen ihrer Familie in der Öffentlichkeit wach zu halten, die Frage war nur: Wie?

In enger Zusammenarbeit mit Ruth David und ihrem Bruder Michael Oppenheimer, der in Paris lebt, erarbeite ich derzeit Wege.

Ruth L. David, Ein Kind unserer Zeit - Erinnerungen eines jüdischen Mädchens an Deutschland und an das englische Exil, 2. überarb. Aufl., Wiesbaden 2005
 
Ruth L. David, "Im Dunkeln so wenig Licht ..." Briefe meiner Eltern vor ihrer Deportation nach Auschwitz, Wiesbaden 2008